← Alle Insights
Report 8 Min. Lesezeit

Warum AI Visibility Chefsache ist – und wie man es richtig angeht

Mein Report vom Adobe Summit München mit exklusiven O-Tönen von Adobe-CTO Hartmut König und AI Evangelist Julian Kramer. Die Zahlen zum KI-Shift, warum AI Visibility Führungsaufgabe ist und ein 5-Schritte-Fahrplan für den Einstieg.

Auf einen Blick

  • Worum es geht: AI Visibility, also die Sichtbarkeit einer Marke in KI-Antworten (ChatGPT, Perplexity, Gemini, Google AI), ist zur Führungsaufgabe geworden, nicht zum SEO-Anhängsel.
  • Anlass: Adobe Summit 2026 in München: Press Briefing, Keynote und Interviews mit Adobe-CTO Hartmut König und AI Evangelist Julian Kramer.
  • Die Zahlen: KI-Traffic auf Retail-Seiten +393 % in Q1 2026, klassischer organischer Traffic rückläufig, Besucher aus KI-Suche konvertieren laut Adobe deutlich besser.
  • Kernbotschaft: Sichtbarkeit entscheidet über Relevanz, Relevanz über Wachstum. Wer in Search und Discovery unsichtbar ist, bleibt als Marke unsichtbar.
  • Was zu tun ist: Erst messen, dann handeln. Substanz statt KI-Fließband, Produktfakten maschinenlesbar machen, Quick Wins nutzen, neue KPIs etablieren, Lernzyklus aufsetzen.

Letter from the Editor

Manchmal bleibt von einer Konferenz genau ein Satz hängen. Bei mir war es dieser, den Nadine Wolanke, Geschäftsführerin Adobe Zentraleuropa, von einem CMO-Gespräch mitbrachte: „Wir rennen so schnell wie wir können, aber wir wissen wirklich nicht wohin.“

Diesen Satz höre sie gerade von ganz vielen Kunden, egal ob Konzern, Mittelstand oder Start-up. Genau das erlebe ich in meinen GEO-Workshops auch: Alle experimentieren, alle bauen Piloten, alle testen Tools. Aber die strategische Frage wird zu klein gestellt. Es geht nicht darum, ob das Unternehmen ChatGPT nutzt. Es geht darum, wie die eigene Marke von KI-Systemen verstanden, eingeordnet und empfohlen wird. Wer das klärt, hat eine Richtung. Wer nicht, rennt.

Die Zahlen: Der Shift ist da, nicht „coming soon“

Adobe legte in München Daten auf den Tisch, die jede Diskussion um „abwarten oder loslegen“ beenden sollten. KI-Traffic auf Retail-Websites wuchs im ersten Quartal 2026 um 393 Prozent, während der klassische organische Such-Traffic zurückgeht. 80 Prozent der Konsumenten treffen bei 40 Prozent ihrer Suchanfragen Entscheidungen auf Basis KI-getriebener Empfehlungen. Und Besucher, die aus LLMs auf eine Website kommen, konvertieren laut Adobe deutlich besser, weil sie ihre Recherche längst hinter sich haben. Adobe nannte auf dem Summit 46 Prozent; im öffentlichen Adobe-Report ist von rund 31 Prozent besserer Conversion gegenüber anderen Quellen die Rede.

Hartmut König brachte den Punkt in unserem Gespräch so auf den Punkt: „Eigentlich sind die durch diese Awareness- und Consideration-Phase schon durch, wenn sie auf deine Webseite kommen, und konvertieren deshalb besser.“

Julian Kramer beschrieb im Morning Briefing dieselbe Entwicklung aus Marken-Sicht, mit der nötigen Ehrlichkeit: „Der Traffic, der noch kommt, ist extrem hochwertig, aber er wird weniger.“ Das ist die neue Realität: weniger Besucher, dafür mit fertiger Meinung. Die spannende Frage lautet nicht mehr „Wie bekomme ich Klicks?“, sondern „Was passiert in der Phase davor, in der die KI die Meinung formt?“

Die Customer Journey dreht sich um

Die klassische Journey aus Awareness, Consideration und Conversion löst sich auf. König beschrieb mir im Interview, was an ihre Stelle tritt: „Heute hast du im Grunde eine Journey, die heißt: Ich habe ein Problem, ich erkläre das Problem dem LLM, das LLM orchestriert die Antwort und dann komme ich zu einer Lösung. Das ist eine komplett andere Journey.“

Menschen suchen nicht mehr „beste Laufschuhe“, sie beschreiben ihre Verletzungshistorie und lassen sich den passenden Schuh empfehlen. Die Consideration-Phase findet in der KI statt, bevor irgendjemand eine Website besucht. Die Website verschwindet dadurch nicht, aber sie bekommt eine neue Rolle: nicht mehr der Ort, an dem die Meinung entsteht, sondern der letzte Vertrauensbeweis kurz vor der Entscheidung.

Wie groß Adobe diesen Shift einschätzt, zeigte König mit einem Vergleich, den ich so deutlich nicht erwartet hätte: Er ordnete die Entwicklung in ihrer Tragweite ähnlich ein wie damals das Smartphone.

„Früher ging es darum, in Google gefunden zu werden. Heute geht es darum, von einer KI verstanden zu werden. Und morgen entscheidet genau das darüber, welche Marken wir wählen.“

— Adobe, Brand-Visibility-Session, Adobe Summit 2026

Warum das Chefsache ist (und nicht in der SEO-Ecke bleiben darf)

Der wichtigste rote Faden des Tages: AI Visibility lässt sich nicht wegdelegieren. Drei Gründe.

  • Es geht um Markenführung, nicht um Rankings. König sprach von „neuen Orten der Beratung“: KI-Chatbots, die Marken erklären, vergleichen und empfehlen, außerhalb der eigenen Kontrolle. Seine Kernaussage: „Wenn wir in Search und Discovery unsichtbar sind, werden wir als Marke unsichtbar bleiben.“ Wer dort falsch eingeordnet wird, verliert nicht ein Ranking, sondern die Deutungshoheit über die eigene Marke.
  • Das nötige Wissen liegt tief im Unternehmen. LLMs brauchen verifizierte, maschinenlesbare Fakten: Produktdaten, Differenzierung, Anwendungsfälle, Preise. Julian Kramer machte klar, dass genau diese Inhalte in der klassischen Markenkommunikation bisher fehlten, und je größer die Marke, desto informationsärmer oft die Website. Diese Fakten kann keine Agentur erfinden. Sie kommen aus Produktmanagement, Engineering, Vertrieb und Service. Zusammenbringen kann sie nur die Führung.
  • KI ist ein Betriebsmodell, kein Pilotprojekt. Königs Bild dafür: „KI ist nicht der einzelne Muskel, der plötzlich etwas heben kann, sondern es ist das Zusammenspiel des gesamten Organismus.“ KI wird zum zentralen Nervensystem, das Daten, Content und Prozesse verbindet. Einzelne Piloten scheitern reihenweise, weil ihnen genau dieses Nervensystem fehlt. Der Schritt, der jetzt ansteht: vom Piloten zur Transformation. Das entscheidet niemand auf Team-Ebene.

Die unterschätzte Riesenchance: Hidden Champions

Mein Lieblingsmoment des Tages: König sprach über deutsche Weltmarktführer aus dem Maschinenbau, die nie gelernt haben, bei Google sichtbar zu sein, und es nie mussten. Sein Szenario: Eine Forscherin in Hongkong oder Kuala Lumpur fragt die KI nach einer hochspezialisierten Lösung. Wird der Weltmarktführer aus dem Schwarzwald nicht gefunden, kauft sie beim Wettbewerber, ohne dass je ein Website-Besuch stattgefunden hätte.

Die Kehrseite ist eine enorme Chance, die König als „gigantische Chance gerade für unseren Markt“ bezeichnete: „Diese Marken werden, wenn sie es richtig machen, eine Sichtbarkeit bekommen, die sie über Branding nie bekommen hätten.“

Statt Millionen in Ads zu stecken, können Nischenanbieter die Modelle mit dem Fachwissen ihrer Ingenieure „impfen“: Wettbewerbsvorteile so beschreiben, dass eine KI sie versteht und empfiehlt, wie es ein guter Berater tun würde. Für den deutschen Mittelstand ist das die vielleicht größte Marketing-Chance seit Jahren.

Wie man es richtig angeht: 5 Schritte

1. Erst messen, dann handeln

Königs Management-Klassiker vom Summit: „Man kann managen, was man messen kann.“ Wo taucht die Marke heute in KI-Antworten auf, bei welchen Fragen, neben welchen Wettbewerbern? Der Einstieg geht schon mit kleinen Semrush-Subscriptions, größere Setups testen mit Tools wie dem Adobe LLM Optimizer dynamisch Prompts gegen die Modelle.

2. Substanz statt KI-Fließband

KI-generierter Einheits-Content löst das Sichtbarkeitsproblem nicht, generische Inhalte werden aussortiert. König im Interview: „Das inhaltliche Erarbeiten kannst du nicht shortcutten.“ Der Workflow, der funktioniert: Fachleute und Ingenieure interviewen, journalistisch aufbereiten, veröffentlichen, und erst dann die KI daraus 15 Varianten für LinkedIn, Fachmagazin und Co. bauen lassen.

3. Produktfakten maschinenlesbar machen

Größen, Gewichte, Specs, Preise, Use Cases: raus aus dem PDF hinterm Login, weg von reiner Werbesprache. Mein meistgegebener Beratungssatz passt hier perfekt: Schreibt auf die Website, was ihr eigentlich macht. „Leidenschaft pur“ im Hero-Bereich hilft weder Menschen noch Maschinen.

4. Quick Wins mitnehmen

Wikipedia-Artikel pflegen, vorhandene Whitepaper aus den Hinterzimmern der Website befreien und für LLMs zugänglich machen, Präsenz auf relevanten Plattformen prüfen. Kostet wenig, wirkt schnell.

5. Neue KPIs etablieren

Julian Kramers Abgesang auf die alte Messwelt: „Dieses ganze Number-Go-Up-Ding ist eigentlich durch.“ Statt Traffic, Klicks und Likes zählen qualitative Metriken: Erwähnungen und Einordnung in KI-Antworten, Share of Voice gegen Wettbewerber, Conversion des vorqualifizierten Traffics.

Über allem: der Lernzyklus

Messen, Lücken erkennen, schließen, wieder messen. Genau dafür braucht es jemanden, der es verantwortet. Deshalb: Chefsache.

„Im Zeitalter der Agenten entscheidet Sichtbarkeit über Relevanz und Relevanz über Wachstum.“

— Abschluss der Brand-Visibility-Session, Adobe Summit 2026

Fazit

Die Werkzeuge sind da, die Zahlen sind eindeutig, die Spielregeln sind bekannt. Was in vielen Unternehmen fehlt, ist nur noch die Entscheidung, AI Visibility ernsthaft zu verantworten, statt sie als SEO-Anhängsel mitlaufen zu lassen. Die Marken, die 2026 diese Entscheidung treffen, werden die Standard-Antworten von morgen.

Bereit für den KI-Sichtbarkeits-Check?

Buche deinen kostenlosen persönlichen GEO Quick-Call, und lass uns gemeinsam die wichtigsten Hebel für deine Marke finden und priorisieren. Übrigens erscheint dieser Report zuerst im GEO-Briefing, meinem LinkedIn-Newsletter mit Fokus auf KI-Sichtbarkeit.

→ GEO-Briefing auf LinkedIn abonnieren

Häufige Fragen

Was ist AI Visibility?

AI Visibility (auch Generative Engine Optimization, GEO) beschreibt, wie sichtbar eine Marke in KI-Antworten ist: ob ChatGPT, Perplexity, Gemini oder Google AI die Marke bei relevanten Fragen nennen, korrekt einordnen und empfehlen. Anders als SEO geht es nicht um Rankings, sondern um Verstanden- und Zitiertwerden durch KI-Systeme.

Warum ist AI Visibility Chefsache und kein SEO-Projekt?

Weil es um Markenführung statt Rankings geht, weil das nötige Wissen (Produktfakten, Differenzierung, Preise) tief in Produktmanagement, Engineering und Vertrieb liegt und nur die Führung es zusammenbringt, und weil KI ein unternehmensweites Betriebsmodell ist, kein isoliertes Pilotprojekt. Diese Entscheidungen fallen nicht auf Team-Ebene.

Konvertieren Besucher aus KI-Suche wirklich besser?

Ja. Laut Adobe konvertieren Besucher, die über LLMs auf eine Website kommen, deutlich besser, weil sie Awareness und Consideration bereits in der KI abgeschlossen haben. Adobe nannte auf dem Summit 46 Prozent; in Adobes öffentlichem Report ist von rund 31 Prozent besserer Conversion gegenüber anderen Quellen die Rede. Der Traffic wird also kleiner, aber deutlich hochwertiger.

Wie fängt man mit AI Visibility an?

Erst messen, dann handeln: Wo taucht die Marke heute in KI-Antworten auf, bei welchen Fragen, neben welchen Wettbewerbern? Danach Substanz statt KI-Fließband produzieren, Produktfakten maschinenlesbar machen, Quick Wins wie Wikipedia und Whitepaper mitnehmen und neue, qualitative KPIs etablieren. Über allem steht ein Lernzyklus: messen, Lücken schließen, wieder messen.

AI Visibility zur Chefsache machen

Lass uns in einem kurzen GEO-Check klären, wo deine Marke heute in KI-Antworten steht und welcher Hebel den größten Unterschied bringt.

Kostenlosen GEO-Check buchen
Stefan von Gagern, KI + Content Consultant. KI-generiertes Porträt auf Basis eigener Fotos.

Über den Autor

Stefan von Gagern ist KI + Content Consultant in Norderstedt. Er begleitet Unternehmen seit dem Start von ChatGPT im November 2022 bei KI-Strategie, Enablement und Generative Engine Optimization, hat über 500 Marketer geschult und die erste KI-Content-Marketing-Akademie Deutschlands geleitet.

→ Mehr über Stefan