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Analyse 8 Min. Lesezeit

Werbung in ChatGPT: Kann man sich KI-Sichtbarkeit jetzt einfach kaufen?

Seit August läuft Werbung in ChatGPT auch in Deutschland. Viele Unternehmen hoffen jetzt auf die Abkürzung zur KI-Sichtbarkeit. Warum die Anzeige neben der Antwort etwas anderes ist als die Empfehlung in der Antwort, und warum das für PR eine gute Nachricht ist.

Seit dem Start von Werbung in ChatGPT in Deutschland höre ich einen Satz immer wieder, mal als Frage, mal als Feststellung: „Dann buchen wir halt Anzeigen in ChatGPT. Dann sind wir doch in KI sichtbar."

Ich verstehe den Reflex. Er ist bequem. GEO klingt nach Arbeit, nach vielen Beteiligten und nach Ergebnissen, die man nicht auf Knopfdruck bekommt. Eine Anzeige dagegen hat ein Budget, eine Laufzeit und ein Dashboard. Nur steckt in diesem Satz ein Denkfehler: Sichtbar neben der Antwort ist etwas anderes als empfohlen in der Antwort.

Im Oktober 2026 war ich im Webinar von OpenAI „Die Entscheidung ist die Chance: ChatGPT Ads, ein neuer Kanal für Marketingfachleute". Zwei Punkte sind mir besonders hängen geblieben. OpenAI begründet die Anzeigen mit der neuen Customer Journey: Menschen recherchieren, vergleichen und entscheiden immer öfter direkt im Chat, und genau dieser Moment der Entscheidung soll für Werbetreibende zur Chance werden. Und Anzeigen zu schalten, bisher eine Art Fremdsprache für Spezialisten, soll dank KI jetzt jedes Unternehmen können.

Auf einen Blick

  • Was gilt: Seit dem 24. August 2026 läuft Werbung in ChatGPT in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland und Österreich. Anzeigen sehen nur Nutzer der Tarife Free und Go.
  • Was Geld nicht kauft: Laut OpenAI beeinflusst Werbung die Antworten von ChatGPT nicht. Die Anzeige steht gekennzeichnet neben der Antwort, die Empfehlung in der Antwort lässt sich nicht buchen.
  • Der Unterschied: Die Anzeige sagt „Hier bin ich". Die Antwort sagt „Den solltest du dir anschauen". Das ist die alte Trennung von Paid und Earned Media, nur übernimmt jetzt die KI die Rolle der Redaktion.
  • Wann Ads sinnvoll sind: bei klarer Kaufabsicht, als Brücke, solange man in den Antworten noch fehlt, und als Lernfeld für die Fragen der Zielgruppe.
  • Die eigentliche Gefahr: dass im Budgetgespräch Anzeigen die langfristige Arbeit an Glaubwürdigkeit verdrängen. Gerade im B2B sieht ein großer Teil der Zielgruppe gar keine Werbung.

Was ist Werbung in ChatGPT, und seit wann gibt es sie in Deutschland?

Werbung in ChatGPT sind gekennzeichnete Anzeigen, die getrennt von der eigentlichen Antwort erscheinen. Seit dem 24. August 2026 laufen sie in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland und Österreich. Begonnen hat OpenAI im Februar 2026 mit einem Test in den USA.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Wer Werbung sieht: nur Nutzer der Tarife Free und Go. Wer Plus, Pro oder Enterprise nutzt, bleibt werbefrei.
  • Wo sie steht: getrennt vom Antworttext und klar gekennzeichnet. OpenAI schreibt dazu, die Anzeigen seien immer gekennzeichnet und von den Antworten getrennt, „… and advertising does not influence the answers ChatGPT provides".
  • Wie man bucht: über große Agenturgruppen wie Publicis, Omnicom und WPP, seit dem 31. August 2026 auch selbst über den Ads Manager. Abgerechnet wird nach Klicks oder nach Impressionen, wobei laut Digiday der Großteil der Ausgaben auf Klicks entfällt. Dazu kommen Conversion-Optimierung und Messung per Pixel.
  • Welche Reichweite versprochen wird: ChatGPT hat laut OpenAI über 900 Millionen wöchentliche Nutzer, rund 20 Prozent der Anfragen zeigen eine direkte Kaufabsicht.

In den USA ist ChatGPT-Werbung schon Alltag. Laut einer Messung des Dienstes Cloro enthielt dort in den sieben Tagen bis zum 3. Juli 2026 gut jede zweite Antwort in den Tarifen Free und Go eine Anzeige, 51 Prozent. Die Werte schwanken allerdings stark von Woche zu Woche. Laut Reuters kam das Werbegeschäft Ende August hochgerechnet auf eine Milliarde Dollar Jahresumsatz. Das ist kein Experiment mehr, sondern ein neuer Werbemarkt.

Warum ist eine Anzeige neben der Antwort etwas anderes als eine Empfehlung in der Antwort?

Weil die Anzeige nur Präsenz zeigt, die Antwort dagegen eine Empfehlung ausspricht. Wer ChatGPT etwas fragt, sieht künftig zwei Dinge: die Antwort und daneben, klar gekennzeichnet, vielleicht eine Anzeige.

Das erinnert an Google, wo seit Jahrzehnten bezahlte Anzeigen über den organischen Treffern stehen. Der Vergleich hinkt aber an einer entscheidenden Stelle. Bei Google war das organische Ergebnis eine Liste von Links. In ChatGPT ist es eine Empfehlung. Die KI vergleicht, ordnet ein, nennt Anbieter und sagt manchmal sehr deutlich, welcher am besten passt.

Die Anzeige sagt: „Hier bin ich." Die Antwort sagt: „Den solltest du dir anschauen." OpenAI hat selbst festgeschrieben, dass Geld die Antwort nicht beeinflusst. Den Platz in der Antwort kann man also nicht kaufen. Man muss ihn sich verdienen.

Infografik: Zwei Plätze auf derselben Seite. Auf die Frage „Welcher Anbieter passt zu uns?“ zeigt ChatGPT eine Antwort und daneben eine Anzeige. Die Antwort ist nicht käuflich und muss verdient werden: Earned Media, Empfehlung mit Begründung, sichtbar für alle Nutzer. Die Anzeige ist buchbar und wirkt, solange man zahlt: Paid Media, Präsenz ohne Begründung, nur für Free- und Go-Nutzer. Fazit: Sichtbarkeit kann man kaufen. Empfehlungen nicht.
Antwort oder Anzeige: zwei Plätze auf derselben Seite. Grafik mit Hilfe von KI generiert.

Was hat Werbung in ChatGPT mit Paid und Earned Media zu tun?

Sehr viel: Mit ChatGPT-Ads wiederholt sich die klassische Trennung von bezahlter und verdienter Aufmerksamkeit, nur übernimmt jetzt die KI die Rolle der Redaktion. Für PR-Leute ist das eigentlich ein alter Hut.

Eine Anzeige in der Tageszeitung und ein Artikel, in dem ein Journalist dein Unternehmen lobend erwähnt, standen schon immer auf derselben Seite. Jeder wusste, welcher der beiden mehr Glaubwürdigkeit hat. Der Artikel war wertvoller, gerade weil man ihn nicht bestellen konnte.

In ChatGPT entscheidet die KI, wen sie für empfehlenswert hält. Und sie stützt sich dabei stark auf das, was andere über dich sagen: Fachmedien, Experten, Bewertungsportale, Studien. Die Werbung macht die Antwort deshalb nicht unwichtiger. Sie macht sie wertvoller, weil die Antwort jetzt einen sichtbaren Gegenpol hat.

Lohnen sich ChatGPT-Ads trotzdem?

Ja, für manche Unternehmen und in bestimmten Situationen. Ich bin kein Gegner von Werbung, sie hat ihre Daseinsberechtigung. Drei Fälle, in denen ChatGPT-Ads sinnvoll sein können:

  • Bei klarer Kaufabsicht. Wer nach einem konkreten Produkt fragt, ist nah an der Entscheidung. Hier kann eine Anzeige den letzten Schritt abkürzen.
  • Als Brücke. Wer in den Antworten noch nicht vorkommt, kann mit einer Anzeige Präsenz schaffen, während die organische Arbeit läuft.
  • Als Lernfeld. Die Daten zeigen, welche Fragen die Zielgruppe tatsächlich stellt. Das ist auch für Content und PR wertvoll.

Ich habe mit dem neuen Ads Manager eine Anzeige für mich selbst ausprobiert. Es geht wirklich einfach und mit wenigen Klicks. Genau darin liegt aber auch die Versuchung: Eine Anzeige ersetzt keine Empfehlung. Sie ist das Schild am Straßenrand, nicht der Tipp vom Freund.

Screenshot aus dem ChatGPT Ads Manager: Deine ChatGPT-Anzeige ist fertig. Die Anzeige zeigt ein Foto von Stefan von Gagern, die Kennzeichnung „Anzeige“, die Überschrift „GEO für deine Marke“ und den Text „Strategie und Content für mehr KI-Sichtbarkeit“. Der Ads Manager hat sie aus Themen der Website erstellt.
Meine Test-Anzeige im ChatGPT Ads Manager. Den Text hat das System selbst aus Themen meiner Website erstellt.

Warum liegt die eigentliche Gefahr im Budgetgespräch?

Weil Anzeigen buchbar, messbar und schnell sind, während GEO und PR langfristig wirken, schwerer zu messen sind und Abstimmung zwischen vielen Abteilungen brauchen. Wenn das Management fragt, warum man das Aufwendige macht, wenn man doch einfach Anzeigen schalten kann, braucht es eine gute Antwort. Vier Argumente:

  • Anzeigen wirken nur, solange man zahlt. Eine starke Position in den Antworten baut sich über Zeit auf und bleibt.
  • Anzeigen sehen nicht alle. Wer einen bezahlten Tarif nutzt, sieht gar keine Werbung. Im beruflichen Umfeld dürfte das ein großer Teil deiner Zielgruppe sein, für B2B ein wichtiger Punkt.
  • Anzeigen erklären nicht, warum. Die Antwort liefert die Begründung gleich mit: warum dieser Anbieter, für wen, mit welchen Stärken. Genau das entscheidet über die Shortlist.
  • Wer in der Antwort fehlt, wirkt mit Anzeige fast verdächtig. Wenn die KI drei Wettbewerber empfiehlt und du nur daneben als Werbung auftauchst, ist das kein starkes Signal.

Was heißt Werbung in ChatGPT für PR und Kommunikation?

Für Kommunikationsabteilungen und Agenturen ist die Entwicklung eine echte Chance, aus drei Gründen.

Earned Media bekommt ein neues Argument. Die Antwort lässt sich nicht kaufen, sie entsteht aus Glaubwürdigkeit und Präsenz in relevanten Quellen. Das ist PR-Kernkompetenz.

PR und Performance gehören an einen Tisch. Wer Ads bucht, sollte wissen, was die KI ohne Werbung über das Unternehmen sagt, und umgekehrt. Damit das im Alltag funktioniert, braucht es ein gemeinsames Verständnis im Team, genau darum geht es beim Content-Enablement für GEO.

Und es lohnt, jetzt die eigene Ausgangslage zu kennen. Bevor Budget in Anzeigen fließt, sollte klar sein, wie das Unternehmen in den Antworten heute dargestellt wird. Diese Bestandsaufnahme ist der Kern eines GEO-Audits und die Basis für jede vernünftige Entscheidung über das Budget.

Fazit: Sichtbarkeit kann man kaufen. Empfehlungen nicht.

ChatGPT-Ads sind ein neuer, interessanter Kanal, und sie werden ihren Platz im Marketingmix finden. Das eigentliche Problem lösen sie aber nicht. Das Problem ist, ob die KI dich empfiehlt, wenn deine Kunden nach einer Lösung fragen. Darauf hat kein Werbebudget direkten Einfluss. Gute Kommunikation schon.

Bereit für den GEO-Check?

Du fragst dich, welche Rolle KI-Suche für dein Unternehmen spielt und ob sich der Einstieg in GEO lohnt? Im kostenlosen GEO Quick-Call schauen wir in 15 Minuten gemeinsam, was GEO für dich tun kann. Übrigens erscheint dieser Beitrag zuerst im GEO-Briefing, meinem LinkedIn-Newsletter mit Fokus auf KI-Sichtbarkeit.

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Häufige Fragen

Seit wann gibt es Werbung in ChatGPT in Deutschland?

Seit dem 24. August 2026. Seitdem läuft Werbung in ChatGPT in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland und Österreich. OpenAI hatte im Februar 2026 mit einem Test in den USA begonnen.

Beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT?

Laut OpenAI nicht. Die Anzeigen erscheinen klar gekennzeichnet und getrennt vom Antworttext. Den Platz in der Antwort, also die Empfehlung der KI, kann man nicht kaufen. Er entsteht aus Glaubwürdigkeit und Präsenz in den Quellen, auf die sich die KI stützt.

Wer sieht Werbung in ChatGPT?

Nur Nutzer der Tarife Free und Go. Wer Plus, Pro oder Enterprise nutzt, sieht keine Anzeigen. Gerade im B2B-Umfeld erreichen ChatGPT-Ads deshalb einen Teil der Zielgruppe gar nicht.

Ersetzen ChatGPT-Ads Generative Engine Optimization?

Nein. Anzeigen schaffen Präsenz neben der Antwort, GEO arbeitet an der Empfehlung in der Antwort. Anzeigen wirken nur, solange man zahlt, eine starke Position in den Antworten baut sich über Zeit auf und bleibt. Sinnvoll ist beides zusammen, mit klarer Rollenverteilung.

Quellen

  1. ChatGPT Ads expands across Europe — OpenAI, August 2026
  2. OpenAI takes ChatGPT ads into Europe — Digiday, August 2026
  3. ChatGPT Ads are expanding to 31 European countries — Search Engine Land, August 2026
  4. ChatGPT Ads Rollout 2026 — Tech Insider, mit Tracking-Daten von Cloro und einer Reuters-Meldung, 2026

Was sagt die KI heute über dich?

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Stefan von Gagern, KI + Content Consultant. KI-generiertes Porträt auf Basis eigener Fotos.

Über den Autor

Stefan von Gagern ist KI + Content Consultant in Norderstedt. Er begleitet Unternehmen seit dem Start von ChatGPT im November 2022 bei KI-Strategie, Enablement und Generative Engine Optimization, hat über 500 Marketer geschult und die erste KI-Content-Marketing-Akademie Deutschlands geleitet.

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